Vorgaben

So, der jährliche Weihnachts-Horror im Verkauf ist mal wieder überstanden..

Nun beginnt übergangslos die nicht minder anstrengende und nervenaufreibende Zeit des Prozentewahnsinns..

Es wird uns keine Verschnaufpause gegönnt.. Aber sind ja bald Sommerferien, dann ist es ruhiger. Sofern nicht wieder alle zu Hause bleiben müssen…

Immer ein grosses Thema während der umsatzstärksten Zeit ist natürlich das veranschlagte Budget, dass es zu erreichen gilt. Da kann man jetzt darüber denken was man will, es ist da und im Kopf mehr oder weniger präsent. Immer geplant auf Basis des letztjährigen Umsatzes. Ich muss glaubs nicht wirklich erklären, wie Kapitalismus funktioniert.

Allerdings frage ich mich manchmal schon, ob es nicht eine etwas mehr motivierende Möglichkeit gibt, als uns morgens das 15% höhere Tagesbudget um die Ohren zu hauen. Und dies trotz diversen Einschränkungen im täglichen Leben, etlichen Lieferengpässen und daraus resultierenden leeren Regalen. Die Filialleiter müssen die Tagesbudgets natürlich weitergeben, was wir mit dieser Info machen, ist dann uns überlassen.

Ich meine, oft denke ich, was solls…! Diejenigen, die diese Zahlen raushauen, stehen ja nicht täglich im Laden, realisieren oft nicht was es im Tagesgeschäft konkret bedeutet, einen solchen Umsatz ranzuklotzen. Das leidige Thema von Theorie und Praxis. So kommt es jedenfalls oft bei uns an.

Hie und da kommt vor allem in der heutigen Zeit auch ein etwas mulmiges Gefühl auf bei dem Gedanken, dass wir den budgetierten Umsatz über längere Zeit nicht schaffen könnten.

Denn was alle, die mal was von Betriebswirtschaft gehört, gelesen oder gelernt haben, wissen: die Personalkosten ist der mitunter grösste Kostenpunkt eines Betriebes. Aber auch der, bei dem am einfachsten weggespart werden kann. Ich sag mit Absicht „am einfachsten“, denn sinnvoll ist es in den wenigsten Fällen.

Zurück zu den Tagesvorgaben. Schon klar, die werden uns immer erhalten bleiben, doch könnte man nicht auch mal zufrieden sein, wenn wir den letztjährigen Bombenumsatz erreicht haben? Dieses ewige noch mehr und noch mehr kommt immer gieriger und unsympathischer rüber.

Ja ich weiss, so funktioniert unsere Wirtschaft nun mal, aber wie man so schön sagt: c’est le ton, qui fait la musique…

Dieses „sorry, keine Lohnerhöhungen dieses Jahr, weil letztes Jahr Corona, Lockdown mit Kurzarbeit (vom Staat bezahlt.. hüstelhüstel) und zig neue Filialen in Planung. Kein Budget da.“ ist schon nicht so aufbauend.

Ist es noch Zeitgemäss, von den Angestellten immer mehr Umsatz zu erwarten, ohne auch mal was zurückzugeben? Und ja, ich spreche jetzt wirklich von Materiellem. Die nichtssagenden Phrasen in Mitarbeiterzeitungen und unpersönliche Rundmails kommen einfach nicht mehr wirklich glaubwürdig rüber. Wie wärs denn mal mit einem Gutschein vom eigenen Geschäft, wenn die Budgetvorgaben erreicht oder übertroffen werden? Das gibts gerüchtehalber sogar schon in vereinzelten Firmen……. Das würde die Betriebe auch nicht wirklich viel kosten, wäre aber uns gegenüber ein Zeichen des Respektes und der Anerkennung. Und nicht zu vergessen eine Motivation.

Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass es ja schliesslich unser Job ist, für die Firma Umsatz zu machen, dafür werden wir ja auch bezahlt.

Stimmt.

Dem darf ich jedoch entgegenhalten, dass es der Job eines jeden Managers oder CEO’s ist, eine Firma gewinnbringend zu leiten. Trotzdem kriegen die meisten noch etliche Bonis, Vergünstigungen und Zückerchen wenn die Zahlen stimmen.

Geld findet Geld. Auch nichts Neues.

Uns bleibt die Aussicht, nächstes Jahr noch mehr Umsatz machen zu müssen, als Dank dafür dass wir das diesjährige Budget übertroffen haben. Das ist die ernüchternde Realität.

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