Heilige Kühe

Teil 1: Die Wirtschaft

Eine starke und gut funktionierende Wirtschaft ist eine der tragenden Säulen für den Wohlstand eines Landes und dessen Bevölkerung.

Soweit so gut.

Aber man muss sich heutzutage schon die Frage stellen, ob dies zu jedem Preis sein darf.

Gerade in der momentanen Zeit, in der viele Arbeitsplätze verloren gehen und Firmen vor dem Aus stehen, werden jedoch ethische und moralische Aspekte oft beiseite gewischt oder gar nicht erst angesprochen. Das ist zwar verständlich, weil es ans Eingemachte geht. Aber dennoch darf das wirtschaftliche Überleben nicht alle Grenzen überschreiten!

Was im Extremfall passieren kann, wenn ausschliesslich die Wirtschaft im Fokus steht, sehen wir ja momentan in Brasilien, wo unter der Fuchtel des rechtskonservativen Jair Bolsonaroder der Regenwald so stark abgebrannt wird wie seit 13 Jahren nicht mehr..

Oder in Übersee. Dort kennt der orangene Einzeller mit dem Anstand einer Atombombe und der Rhetorik eines bekifften Teletubbies einzig und alleine das Wachstum der Wirtschaft. Und geht dabei buchstäblich über Leichen.

Am 27. September stimmen die Schweizerinnen und Schweizer über die Konzernverantwortungsinitiative (KoVI) ab.

Seit nunmehr 4 (!!) Jahren kämpfen Umwelt-und Menschenrechtsorganisationen darum, Schweizer Konzerne und Firmen mit Sitz in der Schweiz, die im Ausland Schäden an Natur und Menschen verursachen, zur Rechenschaft ziehen zu können. Bis jetzt wurde dies von den Wirtschaftsverbänden und mit gnädiger Hilfe der wirtschaftshörigen Parteien erfolgreich verhindert.

2019 wurde von Initiativ Komitee und Nationalrat ein Vorschlag ausgearbeitet (der angenommen wurde), der zwar weniger weit ging als die ursprüngliche Initiative, aber es wäre ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Und hätte den Wirtschaftsverbänden gezeigt, dass sie nicht über dem Gesetz stehen.

Leider wurde dieser Vorschlag, wenn auch nicht wirklich überraschend, vom Ständerat dermassen verwässert, das ist nicht mal mehr nur ein Kniefall vor den Konzernen, sondern ein Stiefellecken der bürgerlichen und rechten Politiker. Es gibt zwar einige Stimmen aus dem Bürgerlichen Lager die auf der Seite der Initiative stehen, doch die sind leider immer noch in der Minderheit.

Es gibt ja nicht nur schwarze Schafe! Darum ist es doch auch im Interesse all jener Firmen, die sich verantwortungsvoll und anständig benehmen, dass den gewissenlosen Konzernen Einhalt geboten werden kann.

Nun kommt also ein indirekter Gegenvorschlag zur Abstimmung, der nicht mal den Begriff wert ist.

Wenn es nach dem Willen der Wirtschaftslobby (und scheinbar auch der Mehrheit des Bundesrates) geht, sollen zukünftig die Konzerne nur zur „Berichterstattung“ verpflichtet werden dürfen.

Dann gibts ein Hochglanzheftchen, ein paar hübsche Bildchen, die zeigen sollen, wie toll und rechtskonform die Konzerne und deren Tochtergesellschaften in den jeweiligen Ländern doch arbeiten.

Und selbst wenn etwas geschieht, dass Umwelt, Tier und Mensch nachhaltig schädigt oder zerstört, müssen die Firmen von der Schweizer Justiz nichts befürchten…

Ich stelle mir das Begleitschreiben zu einem solchen „Bericht“ dann in etwa so vor:

Meine lieben sieben Zwerglein in Bern. 

Ich bins, Euer Schneewittchen von Economie Suisse. Ich wollte mich nochmals herzlich für Eure Unterstützung beim Abstimmungskampf zur Konzernverantwortungsinitiative bedanken. 

Wir hatten nach diesem Abstimmungs-Sonntag einen ziemlichen Hangover vom Feiern und tagelang Bauchschmerzen vor Lachen! Was für ein Triumph über diese lästigen Gutmenschen! Das hätten wir ohne Eure tatkräftige Mithilfe nie geschafft! 

Dieser „Gegenvorschlag“ war ein Meisterstück. Natürlich hat uns auch diese ganze Coronasache in die Hände gespielt. Etwas unerwartet, aber wenn man in solch einer Situation ein paar mal “ gefährdete Arbeitsplätze“ in einem Bericht unterbringt, dann zieht das immer.. Das können wir auch weiterhin nutzen, zum Beispiel wenns weiterhin Diskussionen betreffs dem Freihandelsabkommen mit China oder den USA geben würde.. Lästig, diese Umwelt – und Menschenrechtsorganisationen. Da wünscht man sich einen Staat, der etwas direkter gegen diese Nervensägen und Rumnörgler vorgehen kann. 

Nicht, dass wir uns beklagen würden!  Unsere Lobbyisten in Bern können ja immer noch  unbehelligt auf Einkaufstourneen gehen. Dass mir das auch weiterhin so bleiben wird, gell… Achja, an dieser Stelle; wir warten immer noch auf die Liste mit den Namen der Politiker und Politikerinnen, die die Offenlegung der Lobbyaktivitäten verlangen. Nur für die Akten, selbstverständlich… Obwohl von der Bundesanwaltschaft ja nicht wirklich Gefahr drohen würde, wenn hie und da mal eine Bremse versagen würde... Die haben momentan ja andere Sorgen….

Oh, bevor ich es vergesse.. Wie im angenommenen Gegenvorschlag versprochen (lol), informiere ich Euch über zwei klitzekleine Ausrutscher..

Ein Subunternehmer eines unserer Mitglieder hat in Südostasien ein paar Umweltschäden verursacht. Nichts Schlimmes. Das Übliche halt. Ein Fluss und den nahegelegenen See etwas verschmutzt. Glücklicherweise ist das Meiste im Boden versickert, man kann fast nichts mehr sehen. Die Farben und der Schaum auf dem Wasser ist mittlerweile auch weg. Die Fischer und Bauern haben wir gleich vor Ort ausbezahlt. Mann, diese Preise hier sind echt sagenhaft! Die haben dann auch gleich all die krepierten Tiere weggeschafft, bevor die Journalisten hier waren. Keine Gefahr also. Und bis die Spätfolgen sichtbar sind, haben wir eh alle eventuellen Beweise „archiviert“..

Das andere Malheur ist in einer Mine in Afrika passiert. Leider hat eine NGO entdeckt, dass der Betreiber Kinder in die Stollen geschickt hat. Ja meine Güte, diese Schächte sind auch eng, da passen nun mal keine Erwachsenen rein!  Das Geld für eine Modernisierung fehlt dem Besitzer leider, schliesslich kostet so ein Anwesen mit Pool und ein Privatjet ein bisschen. Die Lokalpolitiker müssen auch noch geschmiert werden.. Ausgaben ohne Ende.. Und ausserdem sind die kleinen Racker so tagsüber betreut, sie werden sogar von einer bewaffneten Security bewacht, nicht dass ihnen noch was Böses widerfährt. 

Alles in allem also nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste. Oder die Öffentlichkeit informiert werden sollte. 

Übermittelt bitte auch noch unseren Dank an unsere Minions im Ständerat! Wir sind Big Fans! Perfekt, wie die dort schön ausbremsen, was diese Utopiker im Nationalrat zum Teil austüfteln!

Also, weiter so, meine lieben Zwerglein! 

Eure Wirtschaftsverbände

Hab ich ein bisschen übertrieben? Vielleicht. Aber im Endeffekt wirds so oder so ähnlich aussehen, wenn dieser Gegenvorschlag angenommen wird.

Das darf nicht passieren. Das würde nicht nur der Schweiz und ihrem Ruf erheblich schaden, sondern uns allen!

Wir dürfen nicht immer nur profitieren und ausbeuten, sondern auch für die angerichteten Schäden geradestehen. Was hier in der Schweiz selbstverständlich ist, soll auch in anderen Ländern gelten!

Konzernverantwortung

https://www.amnesty.ch/de/themen/wirtschaft-und-menschenrechte/konzernverantwortungsinitiative/fallbeispiele-von-menschenrechtsverletzungen

3 Kommentare

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  1. Die Wirtschaft muss dem Wohl der Menschen dienen ! Aus der katholischen Soziallehre. Die Umkehrung dieses Grundsatzes wird großteils praktiziert, die Folgen sehen wir. Hier wurden eindeutig die menschlichen Werte pervertiert. Eine grundsätzliche Umkehr ist überlebensnotwendig. Hier liebe Verkaufsfee hast Du keineswegs übertrieben! Nicht nur der Ruf der Schweiz steht auf dem Spiel, sondern das Überleben der Menschheit auf einem gesunden Ökosystem Erde steht auf dem Spiel. Ich bete immer wieder für die Menschen guten Willens, die sich für das Wohl des gesamten Erdballes einsetzen. Danke für Dein Engagement.

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