„nicht meine Abteilung…“

Einer der Sätze über den sich Kunden immer wieder mal ärgern. Kann ich oft auch nachvollziehen. Aber nicht immer..

Denn gerade in grösseren Warenhäusern sind die Angestellten zwar ähnlich oder gleich angezogen (meist in schwarz), doch das heisst noch lange nicht, dass sie für alle Abteilungen oder Bereiche zuständig sind..

Kürzlich erlebte Beispiele:

Grösseres Warenhaus, die Parfum/Kosmetik Abteilung befindet sich auf dem selben Boden wie die Papeterie, der Übergang ist fliessend. Aber für den aufmerksamen Besucher doch wahrnehmbar. Und den verpeilt herumirrenden helfen wir gerne auf die Sprünge..

In diesem Haus steht unser Counter direkt, also keine drei Schritte neben den Vitrinen mit teuren und exklusiven Schreibwaren…

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Zuständig für diese Luxus Kugelschreiber und Füllfederhalter sind die Kolleginnen aus der Papeterie. Aber natürlich auch für den Rest der Abteilung. Das heisst, sie sind immer unterwegs, Kasse, Waren auffüllen, Kunden, etc.. Und die Vitrinen stehen so, dass man einen potenziellen Kunden nicht wirklich sofort sieht.

Logisch, dass sich dann immer wieder mal jemand an uns wendet, weil wir ja direkt daneben stehen. Ist ja auch kein Problem, ich sag dann jeweils, dass ich zwar aus der Kosmetik bin, aber gerne eine Kollegin hole, die für diese Schreiber zuständig ist. 9 von 10 Kunden verstehen das problemlos und sind auch froh, wenn man eine Beraterin für sie holt.

Doch dann ist da der oder die Nummer 10…

Mal eine Zwischeninfo: Meine Teamkolleginnen und ich tragen Uniform. Und keine Unauffällige. Hat ja Vor-und Nachteile. Das Schöne ist, dass man sich morgens keine Gedanken darüber machen muss, was man anzieht. Und damit bin ich auch schon am Ende der Aufzählung von Vorteilen angelangt. Doch man gewöhnt sich irgendwann an alles, auch dass die Leute halt schauen weil wir auffallen wie bunte Hunde.

Jedenfalls ist der Unterschied zwischen den Warenhaus Mitarbeiter und mir ziemlich deutlich ersichtlich. Und für die Farbenblinden tragen wir zusätzlich noch Namensschildchen mit dem Firmennamen drauf.

So. Ich also kürzlich wieder dort am arbeiten, als ein Schlipsträger mich ziemlich rüde anraunzte, ob niemand da sei, um ihm bei besagten Kugelschreibern zu beraten.

Ich sagte freundlich eben den Satz, was ihn zu einem genervten und verächtlichen Schnauben verleitete..   „Na klar, typisch!!!“ schnappte er in meine Richtung. Meinen aufsteigenden Ärger unterdrückend, erklärte ich ihm, dass ich gerne eine kompetente Kollegin für ihn suchen gehe, da ich zugegebenermassen keine Ahnung von diesen Schreibern hätte. Könnte höchstens sagen, dass man damit schreiben kann. Ausserdem sind die Dinger zu Recht hinter Glas eingeschlossen. Denn es hat Modelle darunter, die kosten fast soviel wie meine Wohnung…                                                                          (zwischen CHF 940.- bis CHF 980.-)

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Irgendwie noch nachvollziehbar, dass ich mich von diesen Dingern lieber fernhalte oder? Nicht so für den gut angezogenen Herrn, der scheinbar arg im Stress war. Oder für gewöhnlich spurten die Leute um ihn herum gleich los, um seine Durchlaucht’s Wünsche zu erfüllen. Ich jedenfalls war froh, dass ich ihn der Kollegin „übergeben“ und mich verkrümeln konnte, bevor er mir noch meine eigentlich gute Laune versauen würde.

In solchen Fällen nützt es dann auch nichts, wenn ich dezent auf meine nicht so dezente Uniform und mein Namensschild hinweise. Diese Sorte Mensch will einfach nur, dass sie die ihrer Meinung nach verdiente demütige Bedienung bekommen. Naja, wenns denn dem Ego guttut.. 🙄

Doch es gibt auch lustige Momente. Ist jetzt schon etwas länger her, als ich einem der grössten Häuser in der Nordwestschweiz arbeitete. Dort ist das Restaurant auf dem selben Stock wie die Elektronikabteilung und die Bücherei.

Da ich eine Leseratte bin, schlendere ich nach dem Essen gerne noch durch die Buchabteilung, oder ich schau mal schnell, was es so Spannendes in Sachen Laptop/Handy und deren Zubehör gibt.

Jaaa auch in meinem Alter noch…

Nachdem mich vorher im Restaurant grad eine Kundin gefragt hatte, wo denn das Besteck sei (😳), stand ich nun vor der Wand mit den Kopfhörern, weil ich meine leider zu Hause vergessen hatte.. Worst Case Szenario! Drei Stunden heimfahren im Zug ohne Stöpseln in den Ohren würde ich nicht überstehen…

Ich suchte mir also die passenden Kopfhörer aus und ging in Richtung Kasse, als eine Dame mich ansprach und nach Verlängerungskabel für ihren Fernseher fragte..

Perplex und völlig überrumpelt begann ich mich reflexartig umzusehen, ob ich das Gewünschte eventuell grad erspähen würde.. Aber dann schaltete sich mein Hirn wieder ein und meldete mir, dass ich gar nicht in diese Abteilung gehöre..

Ich gab diese Info an die Kundin weiter und nahm sie aber gleich mit zur Kasse, um dort den Kollegen zu fragen. Sie schaute mich nochmals von oben bis unten an, entschuldigte sich und meinte lachend “ Tut mir leid, aber mit Ihrer leuchtenden Uniform sieht man Sie einfach zu gut! Das ist Ihnen sicher nicht zum ersten Mal passiert..!?“

Nein, ist es nicht.. Und es ist auch kein Problem. Wenns geht und ich mich einigermassen auskenne, kann ich zumindest die Richtung weisen, wo was zu finden ist. Ich helfe gern. Sogar unfreundlichen und gestressten Business-Möchtegern-Direktoren…

Also, liebe Kundinnen und Kunden, wenn Euch das nächste Mal eine Verkäuferin oder ein Verkäufer sagt, dass sie oder er nicht aus dieser Abteilung ist… Nicht gleich denken, dass „nöö, kein Bock“ hinter dem Satz stehen.

Es könnte wirklich stimmen… (also das mit der Abteilung.. nicht das andere..)

So, ich habe fertig…

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