Grippezeit

Die Grippewelle ist grad richtig akut. Gefühlt jede zweite Kundin verlangt entweder für sich selber oder für die zu Hause flachliegende Familie Medikamente zum fiebersenken und gesundzaubern. Fürs erste gibts Paracetamol oder Ibuprofen in verschiedenen Stärken und Verabreichungsformen. Fürs zweite leider immer noch nichts. Das ist erstaunlicherweise immer noch nicht in den Köpfen vieler Patienten angekommen.

Unser Körper ist nun mal kein Handy, das bei Störung mal eben neu gestartet oder über Nacht ein Update geladen werden kann und dann funktionierts wieder wie neu. Auch wenn das von selbsternannten „Gesundheitsexperten“ auf den einschlägigen SocialMedia Plattformen gerne mal behauptet wird.

Eine Grippe braucht Zeit. Und ist unter Umständen nicht unproblematisch, nicht nur für ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Wird ja auch mit schöner Regelmässigkeit jedes Jahr vor der Grippesaison zu Genüge kommuniziert.

In diesem Zusammenhang kommen auch die Empfehlungen bei einem Krankheitsausbruch.

  • daheimbleiben
  • sich schonen
  • bei Bedarf besagte Schmerz/Fiebermittel einnehmen. Oder auch ein Kombimittel (sofern erlaubt), die auch die allgemeine Befindlichkeit wenigstens für kurze Zeit verbessern,
  • viel schlafen, damit der Körper sich erholen kann
  • nicht zu früh wieder arbeiten gehen, gerade bei körperlich anstrengenden Berufen

Der letzte Tipp ist schon mein Favorit. Denn da zeigt sich mal wieder, dass Theorie und Praxis ziemlich weit auseinanderliegen können.

Denn sind wir doch mal ehrlich. Wirklich lange genug zu Hause bleiben kann man nach einer Grippe ja selten. Denn die Rekonvaleszenz nach einem selbst „nur“ mittlerem Infekt dauert. Und ich rede NICHT von einer Erkältung! Die ist einfach nur lästig und eklig und kann mitunter auch mühsam sein, wenn der Husten hartnäckig ist oder Stirnhöhlenkatharre auftreten, etc. Aber da ist man meist noch mehr oder weniger funktionstüchtig. Sofern kein Fieber da ist natürlich.

So, nehmen wir mal an, wir hatten eine „richtige“ Grippe, lagen mindesten eine Woche flach, Fieber, Gliederschmerzen, der Kopf war gefühlt drei Tonnen schwer, wir kamen während Tagen fast nicht aus dem Bett. Die gröbsten Symptome sind jetzt durch, wir fühlen uns wie vom Laster überfahren, die Beine sind noch etwas zittrig, aber kein Fieber mehr und die Gliederschmerzen sind auch weg. Und es geht täglich etwas besser.

Was nun. Eigentlich sollten wir vernünftigerweise noch ein, zwei Tage länger zu Hause bleiben, um unserem Körper noch ein wenig Zeit zu geben, um sich etwas mehr und besser zu erholen. Aber oft ist das Arztzeugnis dann schon abgelaufen, da müsste man ja nochmals zum Arzt und ja, eigentlich wirds ja schon irgendwie gehen. Wir machen halt einfach langsam bei der Arbeit und halten auch schön Abstand zu den Menschen, die grad rumschniefen und in die weite Welt raushusten. Und ausserdem mussten die ArbeitskollegInnen ja während mindestens einer Woche unsere Arbeit zusätzlich noch übernehmen. Das können wir ja nicht mit gutem Gewissen noch länger durchziehen.

Ich nehme mal an, dass die meisten schon so eine Situation erlebt haben oder sich zumindest reinversetzen können.

Aber dann gibts noch die Anderen. Die ohne Skrupel oder auch nur ansatzweise schlechtem Gewissen das absolute Maximum an Krankheitstagen rausholen, die noch vertretbar sind. Und die erstaunlicherweise auch immer bei Ärzten in Behandlung sind, die ihnen das Gejammer abkaufen und Zeugnisse raushauen, als ob es kein Morgen gäbe. Oder von den Simulanten dermassen genervt sind, dass sie sie einfach krankschreiben, damit die Personen die Praxis verlassen.

Das ist einfach nur ultimativ nervig und extremst unfair den ArbeitskollegInnen gegenüber. Solche Menschen sind der Grund, weshalb viele Firmen und Betriebe ab dem ersten Krankheitstag ein Arztzeugnis sehen wollen. Weil Krankheit nicht nur für die Krankenkassen ein Kostentreiber sind. Das kostet auch einen Betrieb einfach viel Geld.

Ich glaube, wir alle kennen die Freitag/Montag Krankheit. In jeder Firma gibts mindestens eine Person, die daran „leidet“. Oder mal die Ferien etwas verlängern will. Dann kann man locker so ab Dienstag anfangen zu verkünden, dass also seit heute Morgen der Hals kratzt und man so ganz komische Kopfschmerzen hat. Und am nächsten Tag ist dann ein Schwindelgefühl da, oder alternativ ein flaues Gefühl im Magen. Und dann ist ja schon Mittwoch und dann kann man ja auch gleich zu Hause bleiben, weil ab Samstag hat man dann ja eh Ferien. Wo ist das Problem.

Oder man hat Mitte Woche seinen freien Tag, aber der ist leider schon mit Einkauf und putzen vollgepackt. Weil, hey, wenn man Vollzeit arbeitet, muss man ja alles in einen Tag quetschen. Das ist schon nicht so prickelnd, vor allem wenn man grad auf Netflix eine neue Serie gestartet hat. Ziemlich ärgerlich. Kein Problem, so ein Migräneanfall dauert ja meist nur einen Tag und kann ja ohne viel Aufwand simuliert werden*. Oder so eine kurze Magen/Darm Geschichte. Ja, weil vielleicht hat man was Unverträgliches gegessen. Dass muss dann halt raus, ist aber auch nach ein, zwei Tagen wieder gut. Supersache. So kann man locker vor oder nach dem regulären Freitag noch einen zusätzlichen anhängen..

Und darum müssen dann halt alle zum Arzt rennen, um sich ab Tag 1 ein Zeugnis zu holen auch wenns vielleicht gar nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Und das treibt wiederum die Krankenkassenkosten in die Höhe.

Aber das ist diesen Personen egal. Die beschweren sich lieber über irgendwann fehlendes Verständnis der Arbeitskollegen und wundern sich, wenns schlussendlich irgendwann heisst „Entschuldigung, wir müssen Sie leider gehen lassen“.

Bevor es soweit kommt, könnte man doch eigentlich einem solchen Mitarbeiter mal ins Gesicht sagen, dass alle, wirklich alle in seinem/ihrem Umfeld wissen, was Sache ist. Und dass es an der Zeit ist, das eigene Verhalten zu hinterfragen.

* Entschuldigung an dieser Stelle an alle Menschen, die tatsächlich unter Migräne leiden. Ich hatte früher oft stressbedingt Migräneattacken und weiss darum leider auch, dass man oft nicht ernstgenommen wird. Und leider wird es, weil man halt äusserlich nichts sieht, eben oft als Ausrede fürs Blaumachen missbraucht. Und das macht mich richtig wütend!

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